Poesie- und Bibliotherapie

In Deutschland lange unbekannt, wurde die Poesie- und Bibliotherapie in den USA, England und Finland bereits häufig in Kliniken, Schulen, Gefängnissen, Rehabilitationszentren, Beratungsstellen, Kinder- und Altersheimen eingesetzt. Sie zählt zu den künstlerischen Therapien wie die Musik- und Tanztherapie und besteht aus zwei Zweigen, die sich beide auf die Heilkraft der Sprache berufen: Das Schreiben von eigenen Texten (Poesietherapie) und das Lesen ausgewählter Literatur (Bibliotherapie).
Im deutschsprachigen Raum wurde diese Methode in den 1970er Jahren auf der Grundlage amerikanischer und französischer Quellen mit Berücksichtigung der deutschen literarisch-lyrischen Geschichte von Ilse Orth und Hilarion Petzold sowie deren Mitarbeitenden zu einem eigenen Ansatz weiterentwickelt.
In der Poesietherapie werden Patient*innen angeregt, unter Anleitung eigene Texte zu verfassen und darüber zu sprechen. Aktuelle Erlebnisse, biographische Erfahrungen, Problematik, Hoffnungen, Sehnsüchte - kurz alles Erlebte und Denkbare kann Inhalt der Texte sein. Durch das Schreiben (Beschreiben) der Erlebnisse etc. werden sie fassbar gemacht, d. h. Sie werden ausgedrückt und können über diesen Weg kreativ gestaltet und mitgeteilt werden. Darüber können Einsichten und Sinnerleben gefördert werden.
Poesietherapie stärkt die in jedem Menschen angelegten kreativen Fähigkeiten und somit auch die Kompetenz zur Problembewältigung.
In der Bibliotherapie können alle Genres eingesetzt werden - von der klassischen Literatur incl. Lyrik über Reiseberichte bis zu Biographien. Die Protagonisten bieten eine Möglichkeit der Identifikation an und können zur Auseinandersetzung mit eigenen Problemen anregen. Jeder Text, insbesondere auch die Lyrik, löst bei den Leser*innen eine ganz eigene Resonanz aus. Auch Sachbücher können psychoedukativ eingesetzt werden. Manche Lektüre vermag einen neuen Blickwinkel zu vermitteln, durch dem neue Lösungsansätze aufgezeigt werden und Mut zur Veränderung gemacht werden können.




